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Sonntag, 2. Januar 2011

Der Puff und das Gewehr

Ich finde mich in einer Indy-Kunstaustellung. Die findet in einem alten Schulgebäude aus der Jahrhundertwende statt, richtig mit hohen Decken und laut plautzenden Türen in massiven Holzrahmen. Die Art, die man nie leise schliessen kann, so sehr man sich auch anstrengt. Dort sitze ich auf dem Boden, jemand anderes hat sich von dem Stapel alter Stühle aus einer der Ecken einen genommen und sitzt darauf. Eine junge Frau mit langen naturblonden Haaren und Eifer in den Augen zeigt uns ihre Bilder und erzählt dazu. Nach mehreren bunten, aber recht banalen Bildern nimmt sie ein schwarz-weißes.
Man sieht einen vom Gehweg zurückgesetzten Eingang, daneben hängt ein Schild an der Wand mit der Aufschrift: "Nicht mehr als 11 Personen." Neben dem Schild sitzt eine alte Dame vor einem Tisch. Die junge Frau in der Ausstellung, die Künstlerin erzählt. Das sei die Puffmutter, sie sitzt vor ihrem Geschäft und das Schild sei von ihr, weil sie Ordnung vor ihrem Haus haben will. Auch wenn bis zu 11 Personen dort stehen könnten, bleibt selten überhaupt jemand länger als um die Dame zu grüßen. Selbst das wird kaum mit einem unfreundlichen Nicken beantwortet. Ihr Geschäft läuft nicht mehr so gut. Ihre Öffnungszeiten sind schlecht für den Laden, doch die Dame wird das nicht ändern, es ist schließlich schon immer so.
Inzwischen bin ich in dieses Bild gerutscht und stehe neben ihr. Sie hat sich gade umgedreht um die Eintragungen in ihre Bücher zu machen. Akribisch trägt sie ein, wer wann kam, zu welchem Mädchen ging, wie lange dort blieb und wann wieder verschwand. Plötzlich kommt ein Auto angerauscht, vor dem Haus wird es langsamer. Aus den offenen Fenstrn lehnen sich Leute und schreien Obszönitäten, Verwünschungen und Spott. Die Konkurrenz. Vor Groll greift die Alte unter ihren Tisch und zieht ein Gewehr hervor. Anstatt selber anzulegen wirft sie es mir zu. Bevor ich zielen kann, ist das Auto schon hinter der nächsen Ecke verschwunden. Die Alte sieht mich an, ich schultere das Gewehr und wende mich zum Gehen. Ein Mann, welcher auch vor dem Haus stand, fragt mich: "Wer bist du?"
"Pinoccio", sage ich mit hoher Knabenstimme. Ich kann seinen Gesichtsausdruck nicht sehen, weil er genau unter der Straßenlaterne steht. "Aber ich hab mir die Nase machen lassen", füge ich mit normaler Stimme hinzu und wache auf.

7 Kommentare:

  1. War das dann ein Traum im Traum? Inception, anyone?

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  2. Genau! :-D Nur hat sich bisher noch niemand in meinen Kopf getraut, der denkt sich sowas selbst aus.

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  3. Hey... gerade den Film haben wir gestern Abend geschaut... ^^ Ist ja lustig!

    Frohes Neues übrigens... ;-)

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  4. Scheint ja zumindet spannend gewesen zu sein =)

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  5. Ginge das in Blogger-Kommentaren, würde ich jetzt ein Photo von Sigmund Freud mit besorgtem Blick posten.

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  6. @ Mr. Elch... Euch auch!
    @ Citara... War er auch. Hatte was von Film Noir
    @ PropheT... und dabei ist das schon die bereinigte Version...

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