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Freitag, 14. Mai 2010

Still und kalt

Er erwachte langsam. Nacheinander klappten seine Augenlider auf und gaben den Blick auf die Decke seiner Kajüte frei. Schwerfällig rollte sich Stavros aus seiner Koje und tapste mit nackten Füssen zu Waschbecken und Spiegel.
Was wollte er nochmal? 'Achja, rasieren.' Er griff sich den Rasierer vom Regal. 'Ach Qanschhao mit Sao! Der Bart steht doch bestens!' Also legte er den Rasierer zurück auf den Stuhl. Er drehte sich halb um, machte aber eine volle Drehung daraus und legte den Rasierer unter den Stuhl. 'Ordnung muss sein', stellte er gedanklich fest. Seine Schuhe greifend, fiel ihm etwas ein und er stellte sie auf sein Bücherregal 'zurück'. Dann bewegte er sich zielstrebig auf das Schott zum Gang zu, drehte im Vorbeigehen alle Tassen auf seinem kleinen Tisch um, blieb dann jedoch stehen und dachte nach.
Gedanklich auf dem schmalen Grat zwischen Wachen und Schlafen torkelnd stand er schwankend und blöd schmatzend mitten im Raum.
In einer der Tassen auf dem Tisch musste noch etwas drin gewesen sein, was nun langsam und lautlos auf die Tischkante zufloß, um dann senkrecht, leise und gerade auf den Boden tropfte. Jeder auftreffende Tropfen hämmerte die Erkenntnis in des Kapitäns Schädel.
Iiiiiirg. Eeeeeend. Waaaaas. Iiiiiist. Faaaaaaa(dieser Tropfen fiel besonders langsam)aaalsch!
"Hm." machte sein Mund. Während er den Gedanken 'Iirgeendwaas iist faaalsch!' in seinem Kopf kreisen ließ, wie Kenner einen guten Wein in ihrem Mund kreisen lassen, trat er auf den stillen Gang vor seiner Kajüte. Er machte tapsend ein paar Schritte. Dann tapste er noch ein paar. Und dann noch ein paar mehr. Plötzlich fiel es ihm wie Einkäufe aus einer durchgeweichten Papiertüte: "Wir haben keinen Teppich! Beim Imperator, wir haben keinen Teppich!"
Grinsend ob des großen Rätsels, welches er gelöst hatte, schwankte der Kapitän zurück in seine Kajüte und ließ sich in seine Koje fallen. Zufrieden klappten die Augenlider wieder zu.

Die Zweifel kratzten erst mit Katzenpfötchen an der Tür zu seinen Gehirn, dann schlugen Bärenpranken dagegen, bis ein imperialer Entertrupp die Tür eintrat und ein großes Schild hochhielt, auf dem nur eins in großen, fetten Lettern stand: 'TEPPICH?'
Stavros stand in seiner Koje (welche aus genau diesem Grund unter einer gepolsterten Decke hing) und schneller als zwei Essstäbchen umfallen konnten, hatte er eine seiner Hecutor-Pistolen in der Hand und stand wieder auf dem Gang.
Beinahe Reflexartig wandte er sich zum Hirn seines Schiffes, der Brücke. Dort schien auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein, alle Schalter waren an ihrem Platz, die Jalousien vor den Sichtfenstern waren geschlossen, auch jede einzelne Station stand noch, wo er sie zurückgelassen hatte. Wie üblich. Weniger üblich war die Stellung der Motorenhauptschalter, womit sich auch sein seltsames Gefühl erklärte: die Schalter standen alle auf 'Aus'. Das musste ihn geweckt haben, das Fehlen der sonst allgegenwärtige Vibrationen der Motoren und das Summen der Lüfter der Lebenserhaltungssysteme ließen die Aktias in bleierner Stille. Sehr ungewöhnlich, kein gutes Zeichen.
Immer noch halb schlafend, aber immerhin schon etwas nachdenklich, wandte sich Stavros vom Anblick seiner Zentrale ab und wollte sich schon auf den Weg durchs Schiff zum Maschinenraum machen, als er ( was ihm noch nie passiert war ) mit dem Fuß gegen den Rand des Schotts knallte. 'Aua.', sagte sein Mund gelangweilt. Er hatte es gesehen und gehört, aber gespürt hatte er Nichts, da seine Füße eiskalt und leicht blau angelaufen waren. Da ihm sehr am Erhalt seiner Gehfähigkeit und somit seiner Füße lag, legte der Kapitän in seiner Kajüte einen Zwischenstopp ein und zog sich Hose und Stiefel an.
Schweigend trottete er durch die leeren Gänge seines Schiffs. Die ungewöhnliche Stille schien sogar die Geräusche seiner Schritte zu verschlucken. Seine Mannschaft war weder zu sehen, noch zu hoeren, warscheinlich waren sie auf Landgang und er hatte es wiedermal vergessen.
Im Frachtraum bemerkte er dann die drei Gestalten. Dunkel gekleidet, etwa gleich gross und ohne erkennbare äussere Merkmale konnte das nicht seine Crew sein.
Blitzartig hellwach sprang er ohne zu zögern von dem Laufsteg unter der Decke, feuerte dabei dreimal mit seiner Hecutor nach unten und sprengte damit einer der Gestalten Schultern und Kopf weg. Stavros hatte gut gezielt, denn er fiel genau auf die zweite Gestalt, welche schreiend und mit gebrochenen Schlüsselbeinen unter seinen Stiefeln zu Boden ging.
Wortlos und mit kaltem Feuer in den Augen ging die verbleibende Gestalt auf Stavros los. Der Angreifer feuerte einige geübte und gut gezielte Faustschläge auf Stavros ab, dieser hob reflexartig die Arme, wobei allerdings ein Schlag seine rechte Hand traf und die Hecutor im hohen Bogen davonsegeln ließ. Mit einem schnellen Sprung brachte Stavros etwas Raum und Zeit zwischen sich und seinen Angreifer. Dieser nutzte diese Zeit, um ein Messer aus seinem Gürtel zu ziehen und stürzte sich dann frontal auf den waffenlosen Kapitän. Den ersten weit ausholenden Schwüngen konnte dieser noch ausweichen, doch dann sprang ihn der Angreifer an, er zielte auf Stavros' Hals, verschätzte sich aber und brachte ihm einen langen Schnitt quer über die nackte Brust ein.
Mit Adrenalin voll bis unter die Augenbrauen warf sich Stavros auf seinen Gegner, brachte dessen Handgelenke in seinen eisernen Griff und schob ihn mit überlegener Kraft gegen eine Verstrebung im Frachtraum. Sie rangen miteinander, bis Stavros in schneller Folge zwei harte Kopfstösse anbringen konnte, von denen der Erste seinem Gegenüber die Nase brach und der Zweite ihn bewusstlos zu Boden schickte.

Dann atmete er durch und begutachtete die lange und stark blutende Messerwunde auf seiner Brust, bis ihm etwas von der Nase tropfte. Ein kurzer Griff an seine Stirn bestätigte ihm, dass es das Blut seines letzten Gegners war.
Der Typ, welcher unter Stavros Stiefel geraten war, hatte versucht davonzukriechen, doch nun lag er mit grün angelaufenem Gesicht und vom Schock weggetreten auf dem Deck. Von seinem ersten Opfer war nur noch der schulter- und kopflose Torso in einer riesigen Blutlache übrig.

Nach etwas Vorbereitungszeit erwies sich sein Gesprächspartner mit den kalten Augen als harte Nuss, wusste er doch selbst dann noch nichts, als schon alle zehn Finger seines Gegenübers gebrochen oder ausgerenkt in unnatürlichen Winkeln abstanden oder schlaff herunterhingen. Sogar als sich zu seiner gebrochenen Nase ein paar ausgeschlagene Zähne, mehrfach aufgeplatzte Lippen und ein zerstörter Wangenknochen addiert hatten, blieb ihm sein Angreifer eine befriedigende Antwort auf die Frage nach seinem Auftraggeber schuldig. Erst als Stavros seines Gegenüber eigenes Messer an eines seiner Ohrläppchen setzte, kapitulierte er restlos. Wie ein sich erbrechender Flottenmatrose auf seinem ersten Landgang würgte er schubweise Informationen hervor. Er war Anführer eines Killerkommandos, beauftragt ihn und wenn möglich auch seine Crew zu töten. Wie sich herausstellte, war sein Auftraggeber jemand, für den Stavros vor ein paar Wochen einen einzigen Job erledigt hatte und der sich offenbar im Gegensatz zur üblichen Praxis nicht gefühlt hatte, seinen Geschäftspartner zu seinem eigenen Vorteil über den Tisch gezogen zu haben, während eben jener Gegenüber das Gleiche annahm. So kamen schon seit Jahrhunderten die besten Geschäfte zustande.
Nun, da Stavros alles wusste, was es zu wissen gab, waren beiden Überlebenden 'seines' Killerkommandos von keinem Nutzen mehr für die Gesellschaft. Also entschied er sie standesgemäß zu entsorgen: er warf sie zur Frachtschleuse hinaus. Als unglücklicher Zufall für das Kommando erwies sich der Fakt, dass gerade diese Schleuse nur ins kalte, luftleere All führte.

Kommentare:

  1. Ich hab es Dir ja schon gestern im ICQ geschrieben: Auch wenn es nicht, wie gehofft die eigentliche Geschichte weiterbringt, so ist es doch eine klasse Kurzgeschichte und bringt den Lesern Stavros näher. Allerdings gibt es ein paar Ungereimtheiten.
    Wo ist der Rest der Crew? Betäubt, Eingesperrt oder gar Tod? Der Cap ballert mit seiner Pistole rum und keiner seiner Leute taucht auf um zu helfen. Auch fragt er sich selbst nicht wo sie stecken. Er packt die bösen Jungs in die Luftschleuse und legt sich dann wieder schlafen? Hier solltest du evtl. noch etwas nachbessern.
    Ich hoffe sehr auf ein baldige Fortsetzung der eigentlichen Geschichte. ;-)

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  2. GutGut. So ausfueherlich wars gestern nicht. Hinweis auf den Verbleib der Mannschaft hinzugefuegt und ja, nachdem er die aus der Schleuse wirft, geht er wieder pennen. Ist ja schliesslich alles wieder in bester Ordnung :-D

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  3. Ok... nun weiß ich gewiss, das es nicht irgendwie zu der eigentlichen Story gehört... ^^ Ist ja eine ziemlich brutale Zeit dort... Und das mit dem wieder schlafen gehen zum Schluß find ich klasse... ^^

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