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Freitag, 13. März 2015

Deutsche Sprache, schwere Sprache

So, jetzt ist aber mal langsam Schluss mit Lustig. Es kann gefälligst wieder damit aufgehört werden, Sprachdurchfall durch alle Medien und in den allgemeinen Sprachgebrauch breitzuschmeissen, denn wie sonst lassen sich "GroKo", "Grexit", "Graccident"1  und Ähnliches erklären?

1  (Das sollte eigentlich ein Post über dem Problemkomplex Griechenland werden, aber über das Sprachthema reg ich mich noch mehr auf und Griechenland bekommt man ja in jedem Medium zur Genüge serviert.)

Kann mir bitte mal jemand erklären, wie es dazu kommen konnte, dass "Schreiben nach Gehör" eine anerkannte Lehrmethode werden konnte? SCHREIBEN NACH GEHÖR? GEHTS NOCH?

Welcher kinderlose Volltrottel fand denn die Idee ansprechend, Kindern bis zur 2. oder 3. Klasse das Schreiben ohne Regeln zu erlauben? Nimmt man dann noch den Quatsch dazu, der von unseren politischen und medialen Eliten von sich gegeben wird, ist es doch kein Wunder, dass sich unter der jungen Bevölkerung keiner mehr verständlich ausdrücken kann! 

Da verwundert es auch kaum noch, wenn Familien mit Migrationshintergrund ihre Muttersprache behalten und ihre Kinder lieber in Arabisch, Türkisch oder Russisch ausbilden. 

Ich erwarte nicht, dass sich jeder in Deutschland wie Brecht, Schiller oder Grass ausdrücken kann, aber nur Schlamm vor sich hinbrabbeln und Fantasiewörter erfinden kann auch keine Lösung sein. Sprache ist der einzige Weg, Realität zu kommunizieren, verständlich zu machen und zu erklären. George Orwell hat in 1984 eine düstere Zukunft beschrieben, in der die Vorstellungskraft der Menschen zurechtgestutzt wird, indem mit dem Neusprech immer weniger Wörter und Redewendungen zur Verfügung stehen. Ich male mal einen kleinen Teufel an die Wand und behaupte, dass wir uns langsam immer mehr dieser Dystopie annähern, vom ewigen Krieg und dem Überwachungsstaat mal abgesehen. Den beiden Elementen der Geschichte sind wir noch viel näher.


PS: Noch eine Frage an die Väter und Mütter unter meinen Lesern (Ich weiss, euch gibt es!): Wie bringt ihr euren Kindern Lesen und Schreiben bei: nach Gehör oder richtig²?

² Ja, Schreiben nach Gehör halte ich für falsch. Genauso wie 2+2=5 falsch ist.

Kommentare:

  1. Helmut Kohl übrigens. Er hat die Rechtschreibreform in erster Instanz damals tatäschlich mit den Worten angeführt, dass von nun an alles so geschrieben wird, wie mensch es spricht. Im Rahmen einer durchaus fragwürdigen langfristigen Pädagogischen Studie ist mensch dann zu dem Ansatz gekommen, dass es besser ist wenn die Kinder schnell schreiben können und sich sicher fühlen, um dann nachher nur die Rechtschreibfehler zu korrigieren.
    Möglicherweise ein Symptom der Hilflosigkeit im Umgang mit Kindern, die Deutsch als Zweit-/Fremd-Spracher lernen und die Hoffnung, denen den Zugang zu erleichtern.

    Das pädagogische Grundkonzept des fehlerhaften Einprägens wird dabei übersehen. Das gerade kleine Kinder, wenn ihnen etwas falsch von einer vertrauten Person erklärt wird, Wissen einprägen und es ihnen schwerer fällt es später zu korrigieren, wird übersehen. Ein Beispiel dafür ist nämlich die mangelhafte Motorik mancher Kinder, die eben nicht mehr auch am Wochenende mit den Eltern eingeübt wird. So schleichen sich falsche Bewegungsabläufe ein, die zum Teil bis zum Erwachsenenalter nur mit Mühe abtrainiert werden können.

    Pädagogik ist immer dünnes Eis, da es soviele verschiedene Zugänge von Menschen zu Inhalten gibt. Gerade die frühkindliche und Kindliche Erziehung ist ein vollkommen überforschtes aber unterschätztes Feld. Leider reagieren unsere politischen "Pädagogen" immer zu schnell und geben keiner Pädagogischen Linie die Zeit, Wurzeln schlagen zu können. Wie soll da ein objektives Bild entstehen, wenn Jahr für Jahr alles durcheinander reformiert wird?

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    1. Da geb ich dir mal wieder Recht, kaum eine pädagogische Idee der letzten Jahre konnte sich beweisen, bevor sie entweder ganz abgeschafft oder gleich für alle durchgesetzt wurde, siehe Abitur in 12 Jahren. Die größte Belastung dadurch haben die Kinder und Jugendlichen, an denn alles Mögliche ausprobiert wird, es hilft den Zukunftsaussichten nicht grade, wenn man von Beginn an gesagt kriegt, dass man ja nur Versuchskaninchen für das Bildungsministerium sei.

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  2. Grundsätlich muss man ja sehen, dass Zusammensetzungen und Neuschöfungen aus Kreativität und der Auseinandersetzung mit Sprache entstehen - was gut und zu Begrüßen ist. Weniger zu Begrüßen dann doch eher die leider offiziellen Kastrierungen von Wörtern - zum Beispiel, dass man zur Vereinfachung nun auch Atlasse und Nugat sagen darf. Sprachwandel ist ja eigentlich eine spannende Sache - leider auch, wenn die Allgemeinheit einfach zu doof ist, und eben das abgebildet wird. Aber auch schon unsere "Klassiker" fürchteten den Untergang der deutschen Sprache. Durch französische Lehnwörter. Oder Jugendsprache. So gesehen ist fast alles, wie vor 200 Jahren ;)

    Ganz abgesehen davon: Klar, Schreiben nach Hören ist meiner Meinung nach totaler Schwachsinn, was zum Glück ja nun gerade durch die Medien geistert. Habe da glaube ich im Spiegel was zu gelesen.

    Oder das Ganze ist vielleicht eine subtile Selektion? Je unfähiger die breite Masse ist bzw. ihnen Wissen etc. zugänglich ist, desto leichter lassen sie sich an der Nase herumführen - und die qualifizierten Posten bleiben den Elitensprösslingen. So weit zu den Verschwörungstheorien ^^

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    1. Verschwörungstheorien ( kein schlechter Gedanke ), Kreativität oder Angst der Klassiker hin oder her: warum denn das Niveau nicht anheben?

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    2. Weil die Spracherwerbstheorien eigentlich in ihrer Wissenschaftlichkeit nicht entscheiden können, was "hohes Niveau" ist. Denn der tatsächliche Sprachgebrauch diktiert (hrhr) die Sprachrealität und danach bildet sich aus, wie wir sprechen und schreiben.

      Immerhin ist aus "Frouve" auch irgendwann "Frau" geworden und du würdest es schwer haben, zu argumentieren, dass das Mittelhochdeutsche eine bessere Sprache war, als das moderne Hochdeutsch.

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